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Eine lange Tradition "unfairer" Handelsbeziehungen

Die Geschichte des „Fairen Handels“ ist noch kurz. Und dieser muss sich gegen fünfhundertjährige Traditionen behaupten. Denn der Kolonialismus ist noch immer nicht gänzlich überwunden, seine Methoden sind oft nur etwas subtiler geworden. Heute wie im 16. Jahrhundert baut er auf „Entwicklungsdifferenzen“ auf. Ein bißchen Geschichtskenntnis ist also notwendig, wenn man unsere Entwicklung und die der Länder des Südens beurteilen will. So mancher Auswuchs heute hat seine Wurzeln zu Beginn der Kolonialzeit.

So fanden die Europäer in Mittel- und Südamerika zu Beginn des 16.Jahrhunderts faszinierende Hochkulturen, doch auf technologischem und ökonomischem Gebiet bestand eine „Entwicklungsdifferenz“. Dieser Unterschied bestimmte eindeutig die Machtverhältnisse. Die Europäer hatten etwa eine günstigere Energiebilanz, dank des Einsatzes von Tieren, des Rades, von Wagen und Pflügen. Die Metall-Technologie war weiter entwickelt, also auch die Waffen „moderner“ und mächtiger. In Süd- und Mittelamerika fanden Spanier und Portugiesen wahre Schatzhäuser; zuerst wurden die in Jahrhunderten gesammelten Schätze der indigenen Völker geplündert, dann die Silbervorkommen in Mexiko und Peru systematisch ausgebeutet, schließlich das Gold und die Diamanten Brasiliens. Die „Conquista“ bedeutete für Europa einen großen Entwicklungsschub.
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