Bottega del Mondo - Weltladen
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Weltläden in Südtirol
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Begonnen hat es mit Kaffee.

Anfang der siebziger Jahre kam der Gerechte Handel in Schwung: Kaffee von kleinen Genossenschaften in Lateinamerika begann Richtung Norden zu fließen, wurde in Dritte- Welt- Basaren aufgeschenkt und kam luftdicht verpackt erstmals in die niederländischen Haushalte.

In den Achtziger Jahren wandelten sich die Basare ganz Europas in Weltläden mit regelmäßigen Öffnungszeiten; der Import verschob sich von Missionaren und Entwicklungshelfern auf eigene Genossenschaften mit immer größerem Handelsvolumen.

In den Neunzigern wurde der Kaffee des Gerechten Handels auch auf den Regalen der Supermärkte heimisch: direkt von den Importzentralen oder unter einem eigenen Gütesigel (TransFair oder Max Havelaar) beliefert, kam jetzt das breite, weniger sensible Publikum in Kontakt mit einer besseren Welt.

Im neuen Jahrtausend zeigt sich der Gerechte Handel an der Seite des "Volkes von Seattle" als Multinationale mit menschlichem Antlitz, als Paradebeispiel einer fairen Globalisierung.

  • Siebziger Jahre: „Lernen durch Handel“
  • Achtziger Jahre: „Wandel durch Handel“
  • Neunziger Jahre: „Fair Trade im Supermarkt“
  • Neues Jahrtausend: „Faire Globalisierung“

Es gab da eine Kolonialwaren-Handlung.

Auch in Südtirol gab es in vielen Dörfern früher eine Kolonialwaren-Handlung. Einige Schilder und Aufschriften findet man noch heute. Kaffee, Tee und Gewürze waren die wichtigsten Kolonialwaren. Doch durch diesen Handel kam zwar Genuss nach Europa, aber kaum Gewinn in die ausgebeuteten Länder des Südens. Die „Weltläden“ sind in gewisser Weise die Enkel dieser Kolonialwaren-Handlungen. Vielleicht ist manchmal die Atmosphäre sogar ähnlich, der Geruch von Kaffee oder Gewürzen, die Vielfalt „exotischer“ Erzeugnisse. Gründlich geändert hat sich aber das Verhältnis zwischen Konsumenten, Händlern, Zwischenhändlern und Produzenten. Die Weltläden arbeiten ohne private Gewinnausschüttung. Ein wesentlicher Teil des erwirtschafteten Geldes kommt so den Erzeugern zugute.

Eine lange Tradition „unfairer“ Handelsbeziehungen

Die Geschichte des „Fairen Handels“ ist noch kurz. Und dieser muss sich gegen fünfhundertjährige Traditionen behaupten. Denn der Kolonialismus ist noch immer gänzlich überwunden, seine Methoden sind oft nur etwas subtiler geworden. Heute wie im 16. Jahrhundert baut er auf „Entwicklungsdifferenzen“ auf. Ein bißchen Geschichtskenntnis ist also notwendig, wenn man unsere Entwicklung und die der Länder des Südens beurteilen will. So mancher Auswuchs heute hat seine Wurzeln zu Beginn der Kolonialzeit.

So fanden die Europäer in Mittel- und Südamerika zu Beginn des 16.Jahrhunderts faszinierende Hochkulturen, doch auf technologischem und ökonomischem Gebiet bestand eine „Entwicklungsdifferenz“. Dieser Unterschied bestimmte eindeutig die Machtverhältnisse. Die Europäer hatten etwa eine günstigere Energiebilanz, dank des Einsatzes von Tieren, des Rades, von Wagen und Pflügen. Die Metall-Technologie war weiter entwickelt, also auch die Waffen „moderner“ und mächtiger. In Süd- und Mittelamerika fanden Spanier und Portugiesen wahre Schatzhäuser; zuerst wurden die in Jahrhunderten gesammelten Schätze der indigenen Völker geplündert, dann die Silbervorkommen in Mexiko und Peru systematisch ausgebeutet, schließlich das Gold und die Diamanten Brasiliens. Die „Conquista“ bedeutete für Europa einen großen Entwicklungsschub.

Wenn Unabhängigkeit nur auf dem Papier steht

Der Weg in die Unabhängigkeit war lang, mühsam und blutig. Gewalt gab es auf allen Seiten. In den Fünfziger und Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam dann für die meisten Kolonialstaaten der langersehnte Schritt zur Unabhängigkeit. Für viele der ehemaligen Kolonien brachte dieser nach dem ersten Freiheitsrausch aber schwierige Zeiten. Aus mehreren Gründen: Politik, Verwaltung, Rechtssprechung, alles war von den Kolonialherren beherrscht worden; den „Eingeborenen“ war zum größten Teil eine ordentliche Ausbildung vorenthalten worden, sie wurden ja als möglichst billige Arbeitskräfte auf Plantagen und in Bergwerken gebraucht; bei ihrem Abzug plünderten die Europäer das Kolonialland noch ein letztes Mal und zwar gründlich. Vielleicht am schädlichsten war, dass die einheimische Elite das System der Ausbeutung „verinnerlicht“ hatte und nun selbst zum eigenen Vorteil weiter betrieb. So wurde vor allem der „schwarze“ Kontinent in den letzten fünfzig Jahren ein Opfer der übermächtigen ausländischen und der inneren Korruption und Unfähigkeit. Noch steht vielerorts die Unabhängigkeit auf dem Papier.

Sklaverei ist kein ausgestorbener Begriff

Offiziell abgeschafft wurde die Sklaverei erst im 19. Jahrhundert. Dänemark machte 1792 den Anfang, 1807 folgte Großbritannien. Aber in Frankreich wurden die Sklaven erst 1848 frei, in den Niederlanden erst 1863 und in Amerika offiziell sogar erst 1865. Doch Sklaverei in verschiedensten Formen gab es auch weiterhin. Einen weiteren Meilenstein stellte die Deklaration der Menschenrechte durch die vereinten Nationen 1948 dar. Aber tatsächlich gibt es auch heute noch nach den Schätzungen des in England lehrenden Soziologen Kevin Bales mehr als 20 Millionen Sklavinnen und Sklaven. Die häufigste Form ist dabei die Schuldknechtschaft, weitaus seltener die Leibeigenschaft. Die meisten Opfer des Kinderhandels kommen aus Mali, Burkina Faso, Benin und Togo. Sie werden in die vergleichsweise wohlhabenden Küstenländer Nigeria, Gabun und Elfenbeinküste verkauft. In den westlichen Ländern – auch in Italien – gibt es kaum Leibeigenschaft, aber die „Vertragssklaverei“ ist im Ansteigen. Hausangestellte fristen ein Leben „voller Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt, psychischer wie physischer Folter und ohne oder fast ohne Bezahlung “(Anti-Slavery-International).



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