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Reis

Gestatten, ich bin der Reis

Ob Du es glaubst oder nicht: Ich bin das Hauptnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. In den vergangenen dreißig Jahren wurde der Handel mit mir zum großen Geschäft. In dieser Zeit verdoppelte sich die weltweite Produktion. Mehr und mehr sind es multinationale Konzerne, die das Geschäft an sich reißen. Diese Entwicklung untergräbt die Marktposition der kleinen Bauern und Bäuerinnen, die mich ernten, und somit auch die Existenz ihrer Familien.

Gerne hat man mich vor allem in den Ländern des Südens. Der größte Teil der Welt-Reisproduktion wird in den Erzeugerländern verbraucht. Nur rund vier Prozent davon gelangen in den Handel. Klimatische Schwankungen oder Missernten lösen zusätzlich extreme Verschiebungen aus.

Die multinationalen Konzerne sichern sich ihre Marktanteile immer mehr, z.B. durch die Beanspruchung von Patentrechten. Die amerikanische „US Grain Corporation“ etwa beansprucht das Patent meiner Schwester Basmati Reis und den Schutz dieser Bezeichnung in den USA und Kanada – mit der wenig logischen Begründung, dass sie den genetischen Code der jahrhundertealten Pflanze entschlüsselt habe. Die indischen Bauern und Bäuerinnen, die seit Generationen Basmati-Reis anbauen, müssten für den Export nach Nordamerika Gebühren zahlen. Patente auf mich und meine Geschwister sind unrechtmäßig und bedrohen das Einkommen und die Existenz der Landbevölkerung im Süden!

Meine KäuferInnen aus den Weltläden unterstützen dagegen kleine Genossenschaften im Süden. Die Mitglieder der Genossenschaften erhalten einen guten Preis für mich, der ein sicheres Einkommen, ein Leben in Würde und den Schutz der Umwelt ermöglicht.

Achtung, nicht weiter lesen!

Inhalt ist nur für unwissende Reisesser/innen gedacht!
Ganz ehrlich: „Ist Ihnen schon einmal so richtig der Reis gegangen?“ Ja, ja, so aufregend kann Reis sein! Ein Blick hinter die Kulissen dieses wertvollen Lebensmittels wird Ihr Staunen noch vergrößern.
Oder, haben Sie gewusst, dass:
  • Wildreis bereits 5000 v. Chr. Von Chinesen am Ufer des „Blauen Flusses“ geerntet wurde?
  • in der Thai-(land)-Sprache das Wort „Khao“ gleichbedeutend ist wie: Reis und Essen?
  • Menschen im selben Land nicht „Grüß Gott“ zueinander sagen, sondern: „Hast du heute schon Reis gegessen?“
  • Reis über 3 Mrd. Menschen ernährt, der zu über 90% in Südostasien wächst?
  • es in Asien heute noch über 120.000 Reissorten gibt, die aber zunehmend von neuen Gen-Reissorten verdrängt werden?
  • Reis von 0 bis auf über 2500 m über dem Meeresspiegel gedeiht?
  • im afrikanischen Madagaskar das Reiskorn früher als Münzeinheit galt?
Sie haben alle Fragen mit „Ja“ beantwortet?
Gut, dann gebe ich mich geschlagen und erwähne – sozusagen der Vollständigkeit halber – was Sie sicher auch schon wissen, nämlich, dass mit Klebreis als Hauptzutat Reisschnaps, Reiswein oder Reisbier produziert wird. Dass sich z.B. in einigen indonesischen Gegenden die Menschen Reismehl ins Gesicht schmieren, um den klugen, schönen Weißen Mann ähnlicher zu sein. Dass Reis in drei „Großfamilien“ (Indica = Langkornreis, Japonica = Rundkornreis und den sog. Duftreis in Basmati- und Jasminreis) eingeteilt wird, ist Ihnen natürlich auch nicht neu!
Warum es Sinn macht, Reis aus dem Fairen Handel zu kaufen (in Weltläden oder in Geschäften die dieselben Produkte als Zusatzangebot führen), das möchte ich trotzdem noch loswerden: Sie fördern die Eigenständigkeit kleiner Reisbauern und deren Genossenschaften, leisten einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Selbstorganisation, erhöhen das Einkommen durch Direktvermarktung, stärken dadurch das Selbstbewusstsein der Reisbauern und deren Familien und Sie …. Sie erhalten – sozusagen als Gegenleistung – ein qualitativ hochwertiges Produkt, das Sie mit gutem Gewissen genießen dürfen.
Jetzt habe ich Sie aber wirklich gelangweilt mit Dingen, die Sie vielleicht noch viel umfangreicher hätten schildern können, aber – wie gesagt – ich hab`Sie vorgewarnt mit : „nicht weiter lesen!“

Karl Leiter
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